„The visible ‚line’ is neither one line nor multiple lines but rather a multiplicity of small variances; it appears to be a kind of bundle of lines or a faded, wavering line.“ Johannes Meinhardt

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“Die sichtbare `Linie´ ist weder eine Linie noch mehrere Linien, sondern eine Vielheit von kleinen Abweichungen; sie erscheint wie eine Art Bündel von Linien oder eine verwaschene, schwankende Linie.“ Johannes Meinhardt

Koho Mori-Newton / Dot and Line

The two series of works, which Koho Mori-Newton shows at Galerie Brigitte Schenk in Cologne, the ‘Dots’ and the ‘Lines’, both first emerged between 2010 and 2011. An observation upon which both are based is that no line that the hand draws will correspond to the ideal of a line. The media used, the fact that no hand is perfect, and the circumstantial contingencies attending the act of drawing all guarantee that any line will be inaccurate, inconstant, flawed. The physical qualities of the various supports, especially silk, canvas and paper, and of the material applied to them (partly removed again by means of erasure) influence the coming about of the line, contingent and only restrictedly under our control, just as the deployment of the hand in the attempt to divest that deployment of all intentionality. Thus every repetition of the initial, already deviant line will bring about further deviations, minimal differences, and dislocations. The play of these differences unhinges any identity the line may have, and so, too, its readability as a sequence, a continuity, its mark. The line deconstructs itself into an indeterminate multiplicity of fragments and repetitions, of deviations and differences.

Johannes Meinhardt, exhibition curated by Franz von Rassler - Press Text Feb.27, 2015

Koho Mori-Newton / Dot and Line (D)

 

Die beiden Werkgruppen der „Dots“ und der „Linien“, die Koho Mori-Newton in der Galerie Brigitte Schenk in Köln zeigt, sind ab 2010 und 2011 entstanden. Beide gehen von der Feststellung aus, dass keine Linie, welche die Hand zieht, einer idealen Linie entspricht: durch das verwendete Material, die mangelnde Perfektion der Hand und die Kontingenzen der Situation des Zeichnens ist jede Linie schon unsauber, abweichend, fehlerhaft. Die Materialität der verschiedenen Träger – vor allem Seide, Leinwand und Papier – und der aufgetragenen Materialien (die teilweise durch Wegradieren wieder beseitigt werden) – beeinflussen das kontingente, nur beschränkt kontrollierbare Entstehen der Linie ebenso wie ein Einsatz der Hand, der versucht, diesem Einsatz alle Intentionalität zu nehmen. So erzeugt jede Wiederholung der ersten, schon abweichenden Linie immer weitere Abweichungen, minimale Differenzen und Verschiebungen. Das Spiel dieser Differenzen zerrüttet jede Identität der Linie – und damit ihre Lesbarkeit als Verlauf, als Kontinuität, als Spur. Die Linie dekonstruiert sich in eine offene Vielheit von Fragmenten und Wiederholungen, Abweichungen und Unterschieden.

Johannes MeinhardtAusstellung  von Franz von Rassler kuraturiert - Pressetext Feb.27, 2015

"Koho Mori-Newton ging es immer in seinen Arbeiten darum, den nahtlosen Zusammenhang von Gegenstand und Bedeutung bzw. von expressiver Geste und Bedeutung in der Äusserung oder Repräsentation aufzubrechen. Koho Mori-Newtons Verfahren ist dabei eine Art von unmittelbarem mimetischem Nachvollzug des Sehens: Nicht so sehr eine psychische oder poetische Reaktion auf Gesehenes, sondern eher eine willkürliche Verkopplung der Bewegung des Sehens mit der Bewegung der Hand." Johannes Meinhardt

"The central question in Koho Mori-Newton´s India ink drawings is how a surface with markings, with soiling, with stains suddenly turns into a pictorial unity, into a coherent image.

Where once a divergence of unrelated traces or stains of ink on paper, on canvas, or on silk dominated, an aesthetic whole forms instantaneously in a way that can only be partially intended: suddenly the traces of a hand, the spots, and the traces of dripping come together into a coherent aesthetic unity that is clearly delimited by the frame or the material edges of the plane and distinctly separated from its surroundings." (…) 

Johannes Meinhardt - Koho Mori-Newton "Suddenly an Image" 2007 Stiftung Domnik p.14

"Die Zentrale Frage in den Tuschezeichnungen von Koho Mori-Newton ist die Frage danach, wie eine Fläche mit Markierungen, mit Beschmutzungen, mit Flecken in der Wahrnehmung plötzlich umschlägt in eine pikturale Einheit, in ein kohärentes Bild. Wo vorher noch ein Auseinander von unzusammenhängenden Tuschespuren oder Tuscheflecken auf Papier, auf Leinwand, auf Seide herrschte, bildet sich schlagartig und nur beschränkt intendierbar eine ästhetische Ganzheit heraus: plötzlich schießen die Spuren der Hand, die Befleckungen und Fließspuren zu einer ästhetisch zusammenhängenden Einheit zusammen, die durch die Rahmung oder die materiellen Ränder der Fläche klar begrenzt und eindeutig von ihrer Umgebung unterschieden ist."(...)

Johannes Meinhardt - Koho Mori-Newton "Suddenly an Image" 2007 Stiftung Domnik p.14